Kältewelle in Kirgistan

© DRK e. V.

Forecast-based Financing

 

Partner:
Deutsches Rotes Kreuz e. V.

© DRK e. V.

Weites Land, dörfliche Strukturen und viel Schnee. Die Region Naryn in Kirgistan wurde Mitte Januar 2020 von einer Kältewelle erreicht, die minus 23 Grad über die Dörfer brachte. Kältewellen gehören in Zentralasien wie auch Erdbeben, Überschwemmungen und Dürren zu den häufig auftretenden Naturkatastrophen. Seit 2019 führt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Kirgistan und Tadschikistan in einem dreijährigen Projekt Forecast-based Financing (FbF) ein, um die Bevölkerung zukünftig durch einen Vorsorgemechanismus besser vor den existentiellen Folgen von Naturkatastrophen zu schützen.

Am 13. Januar 2020 traf die offizielle fünftägige Wettervorhersage des Nationalen Hydrometeorologischen Dienstes (Kyrgyzhydromet) beim FbF-Team in Zentralasien ein. Der Vorhersage nach wurde erwartet, dass die lokale Temperatur in der Provinz Naryn bis zum Ende der Woche auf minus 23 Grad sinken würde. Diese Temperaturen liegen sehr dicht an dem bereits vordefinierten Schwellenwert von minus 28 Grad, der im Zuge des FbF-Projekts für die Region ermittelt wurde. Das FbF-Team nahm die Vorhersage nun zum Anlass, die festgelegten Maßnahmen für Kältewellen zu erproben.

Dazu wurde geprüft, ob die Verteilung von Kohle, Lebensmittelpaketen sowie anderen wichtigen Non-Food-Artikeln (NFI) wie Decken und Heizkörper in den vorausgewählten Gemeinden der Provinz Naryn rechtzeitig verteilt werden kann. Bei den Tests wurde zum einen die Wirksamkeit der ausgearbeiteten Early-action-Maßnahmen im Hinblick auf die Verringerung der Auswirkungen extremer Kältewellen auf die lokale gefährdete Bevölkerung bewertet. Zum anderen wurde die Reaktionsfähigkeit der Red Crescent Society of Kyrgyzstan (RCSK) und seine Koordinierung mit den lokalen Behörden bei der Katastrophenhilfe getestet.

Die verteilten Lebensmittelpakete bestanden aus den wichtigsten Gütern für jede begünstigte Familie wie Mehl, Zucker, Tee, Salz, Makkaroni, Reis, Buchweizen, Bohnen, Pflanzenöl usw. Die NFI-Pakete enthielten einen Satz Matratzen (4 Stück), einen Satz Decken (4 Stück), Bodenisolierungsmaterial (20 Quadratmeter), eine elektrische Heizung, Fensterisolierungsmaterialien sowie einen Satz Kohle (7 Säcke pro Familie). Diese Güter wurden der Grundlage der Ergebnisse der Forschungsstudien und Umfragen erstellt, die das FbF-Team während der vorangegangenen Vor-Ort-Besuche in der Provinz Naryn durchgeführt hat. So erhielt die gefährdete Bevölkerung die wichtigsten Güter, die ihrer Meinung nach während des extrem kalten Wetters fehlten.

Der gesamte Testprozess des FbF-Teams erfolgte in enger Abstimmung mit allen Beteiligten wie den lokalen und nationalen RCSK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Behörden (z. B. Gemeindeleitung, Spezialistinnen und Spezialisten der Sozialfürsorgeabteilung usw.) sowie den Lieferantinnen und Lieferanten von Waren und Dienstleistungen. Während des Tests wurde die Beteiligten in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Verteilung an die Zieldörfer möglichst effizient und schnell durchführen zu können. Dabei wurden die Verteilungsmethoden kombiniert, wobei in einigen Fällen die Waren an die Häuser der Begünstigten geliefert wurden und in anderen Fällen die Begünstigten die Waren an den Verteilungspunkten abholten, die in den Zieldörfern von den Gemeindeleitern organisiert wurden. Die Verteilung der Güter wurde entsprechend der Liste der am stärksten gefährdeten Familien in jedem Zieldorf organisiert, die von den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Behörden in Zusammenarbeit mit den Sozialfürsorgeabteilungen auf lokaler Ebene erstellt und bestätigt worden war. Die Überprüfung der Liste der Begünstigten wurde zudem von den Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Freiwilligen des RCSK durch Hausbesuche und durch Fragen-und-Antworten sowie durch die Beobachtung ihrer Räumlichkeiten und Lebensbedingungen durchgeführt.

Während des Testlaufs wurden die sechs Dörfern Tash-Bashat, Kayindy, Eki Naryn, Özgörüsh, Taldy-Suu und Birinchi May in der Provinz Naryn besucht. Rund hundert gefährdete Familien (circa 400 Personen) erhielten während der Kältewelle die wichtigsten benötigten Güter.

Über Forecast-based Financing

Um die Menschen in Zukunft besser vor existentiellen Folgen von Naturkatastrophen zu schützen, führt das Deutsche Rote Kreuz den Vorsorgemechanismus Forecast-based Financing in Kirgistan und Tadschikistan ein und baut damit sein Programm zur Katastrophenprävention aus. Das Ziel ist es, auf Basis von detaillierten Vorhersagen und Risikoanalysen frühzeitig finanzielle Mittel bereitzustellen und so die Maßnahmen zur humanitären Hilfe schon vor Eintritt von Katastrophen einzuleiten. Die Deutsche Bank Stiftung unterstützt das Pilotprojekt in Kirgistan und Tadschikistan als Exklusivförderpartner.

Sie möchten Veranstaltungshinweise und Informationen von der Deutsche Bank Stiftung erhalten? Dann melden Sie sich für unsere Newsletter an. Zur Anmeldung