08.11.-31.12.2019 – Ausstellung “Seeds for Future Memories”

Juan Pablo Macias, Brother Maize and Brother Babacar, 2018, video still © Juan Pablo Macias

Daten im Überblick

Wo:
Villa Romana
Via Senese 68
50124 Florenz

Wann:
Eröffnung und Symposium
08. bis 10. November 2019

Ausstellung
08. November bis 31. Dezember 2019

Juan Pablo Macias, Brother Maize and Brother Babacar, 2018, video still © Juan Pablo Macias

2018 reisten dreizehn europäische und afrikanische Künstlerinnen und Künstler nach Sinthian in Senegal und nach Florenz, um sich mit den aktuellen Realitäten des Kolonialismus auseinander zu setzen und gemeinsam einen ästhetischen und politischen Dialog zu entwickeln. Die Villa Romana in Florenz und die Thread Residency in Sinthian waren dabei Gastgeber und Partner.

In diesem Sommer wurden die künstlerischen Arbeiten, die aus dieser Recherche entstanden, in drei parallelen Ausstellungen in Berlin präsentiert. Einen Auszug dieser Präsentation zeigt die Villa Romana nun in Florenz, bevor das SEEDS-Kooperationsprojekt im Februar 2020 einen ersten Abschluss während des Festival de l’Union in Tambacounda/ Senegal finden wird.

08. bis 10. November 2019 – Symposium "TRANSVERSE TRAJECTORIES"

Über das Symposium

Im Fokus des Symposiums TRANSVERSE TRAJECTORIES. Speculative routes out of ruinous landscapes stehen die ruinierten Landschaften der sogenannten „Peripherien“, rurale Gebiete als stumme Zeugen kapitalistischer (neo-)kolonialer Praktiken und deren Mobilisierung von Rohstoffen, Gütern und Menschen.

Koloniale landwirtschaftliche Methoden der Monokultur und Plantagenwirtschaft, Standardisierungen und Arbeitsmigration sind weiterhin im Globalen Süden präsent und ziehen gravierende ökologische Schäden nach sich, in Formen von Erosionen, verseuchten Böden und dem Verschwinden der Biodiversität. Ganze Landstriche und Gärten lassen sich so entlang ihrer Oberflächenstruktur, ihres Bewuchses, anhand angesiedelter Mikroorganismen und Nährstoffgehalte wie Archive internationaler Beziehungsstrukturen lesen. Sie verkörpern paradoxerweise durch Abwesenheiten Geschichten des interkulturellen Kontakts und damit verbundene Entwurzelungen von Pflanzen und Menschen. Gleichzeitig keimt aber auch eine Saat des Widerstands, in Form von traditionellen Heil- und Giftpflanzen, von Früchten der Subsistenzwirtschaft und der Pflege lokal verankerter Pflanzenarten.

Die Lectures und Performances des Symposiums TRANSVERSE TRAJECTORIES führen unter anderem nach Italien, Kamerun, Mali, Nigeria und Schweden. Sie propagieren einen emanzipatorischen Richtungswechsel und verbinden antikoloniale mit agro-ökologischen Aspekten, um gemeinsam neue Geschichten für kontaminierte Landschaften zu schreiben. Sie analysieren historische Verlaufsalternativen, neue Beziehungsstrukturen und setzen translokale Bewegungen aus der einseitigen Vereinnahmung des Begriffs der Migration frei.
 
Alle Vorträge und Performances finden in englischer Sprache statt.

Programm | 08. November 2019

17.30 Uhr
Einführung

17:45 Uhr
Keynote Lecture, Climates of Empire. Representation, Science, and European
Environmental Colonialism
Dr. Angelo M. Caglioti, Rome Prize Fellow at the American Academy in Rome, Rom

19.00 Uhr
Lecture Performance, Peace With the Earth: tracing agricultural memory, refiguring practice
Åsa Sonjasdotter, Künstlerin, Berlin / Insel Ven, Schweden

20.00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung Seeds For Future Memories -Teil 4 / ein Auszug
Einführung mit Negger Dou Tamba, Musiker und Aktivist, Tambacounda

Programm | 09. November 2019

11.00 Uhr bis 13.00 Uhr
→ in Prato, Giardini di Prossimità (RSVP office@villaromana.org)
Workshop, Evolutionary Garden as place of coexistence and cultural germination
Luigi Coppola, artist, Lecce / Brussels

16.30 Uhr
Sound Performance, Quattro su Dieci 
Justin Randolph Thompson, Künstler, Florenz

17.00 Uhr
Lecture, Roots and routes of migration. Narratives and social representations of the “Senegalese migrant” toward Europe
Dr. Stefano degli Uberti, Anthropologe, Consiglio Nazionale delle Ricerche, Rom

18.00 Uhr
Lecture, SYNTHETIC VERNACULAR, african fabbers at work
Cascone+Laddaga/CODESIGNLAB, Architekten, London

19.15 Uhr
Food Performance / Lecture, Toskanische Reise
Leone Contini, Künstler, Florenz

Programm | 10. November 2019

11.00 Uhr
Lecture, H++, if design is the answer, then what is the question?
Alafuro Sikoki-Coleman, Designerin, Belgrad
 
12.00 Uhr
Presentation, Figuring Fallow Time – Sowing Somankidi Coura, a Generative Archive
Bouba Touré, Mitbegründer Somankidi Coura, Paris, und Raphaël Grisey, artist, Berlin
 
13.00 Uhr
Closing Performance, Ke Peo Setlhare le Leung
Lerato Shadi, Künstlerin, Berlin

08. November bis 31. Dezember 2019 – Ausstellung "Seeds for Future Memories"

Über die Ausstellung

Vor zwei Jahren starteten das Künstlerhaus Villa Romana in Florenz und die Künstlerresidenz Thread Residency in Sinthian im südöstlichen Senegal ein gemeinsames Projekt entlang der Route der Migration zwischen Afrika und Europa. Ausgangspunkt war das Fehlen gemeinsamer Narrationen zwischen diesen beiden Enden. 13 Künstlerinnen und Künstler – unter anderem die Villa Romana-Preisträgerinnen Lerato Shadi und Judith Raum – beteiligten sich im vergangenen Jahr an Reisen und Recherchen in Sinthian und Florenz. Was sind die Gründe der fehlenden Kommunikation, der asymmetrischen Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten? Wie können Künstlerinnen und Künstler Erzählungen aufnehmen, reflektieren und übertragen?

Eröffnung

Eröffnung der Ausstellung:
8. November 2019, 20.00 Uhr
Einführung mit Negger Dou Tamba, Musiker und Aktivist, Tambacounda

Öffnungszeiten Ausstellungen

9. November bis 31. Dezember 2019
Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr und nach Vereinbarung

Villa Romana-Preis

Der Villa Romana-Preis wird jedes Jahr an vier Künstlerinnen und Künstler mit herausragender künstlerischer Qualität verliehen, die in Deutschland leben. Ihnen steht ein Studio-Apartment im Künstlerhaus Villa Romana in Florenz zur Verfügung und sie erhalten ein Barstipendium. Am Ende ihres Aufenthalts konzipieren sie gemeinsam eine Publikation. Der Villa Romana-Preis ist der älteste Kunstpreis in Deutschland und wird seit 1905 verliehen. Seit den 1920er Jahren unterstützen die Deutsche Bank und ihre Stiftungen als Hauptförderer die Villa Romana in Florenz. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Max Beckmann, Käthe Kollwitz oder Georg Baselitz.