Villa Romana-Preisträgerinnen 2020 nominiert

Still aus dem experimentellen Kurzfilm Mugabo von Amelia Umuhire, 2016 © Amelia Umuhire

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Villa Romana e. V.

 

Still aus dem experimentellen Kurzfilm Mugabo von Amelia Umuhire, 2016 © Amelia Umuhire

Die Künstlerinnen Özlem Altin, Lydia Hamann & Kaj Osteroth, Alice Peragine und Amelia Umuhire sind die Villa Romana-Preisträgerinnen 2020. Von Februar bis November 2020 werden die Stipendiatinnen in der Villa Romana in Florenz leben und arbeiten. Die diesjährigen Jurorinnen, die Künstlerin Michaela Melián und Yvette Mutumba, Kuratorin und eine der beiden Chefredakteurinnen des Magazins Contemporary And, wählten sie unter zwölf vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten aus.

Preisträgerinnen und Preisträger 2020

Özlem Altin (1977) lebt in Berlin. Sie studierte 2000 bis 2003 an der ArtEZ Hogeschool voor de Kunsten, Arnheim und 2004 bis 2006 am Piet Zwart Institute, Rotterdam. 2007 gründete sie den Verlag für Künstlerbücher Orient Press, Berlin. Sie entwickelt ihre Bücher ebenso wie ihre Ausstellungen aus Bildarchiven, seien es analoge oder digitale, institutionelle oder private. Sie beschneidet, collagiert, montiert, reproduziert und übermalt diese Bilder, so dass sie sich fast skulptural oder theatral in Bildensembles, in verschwiegene Konstellationen, verwandeln. Özlem Altin nahm an der letzten Berlin Biennale 2018 teil und wird in diesem Herbst auf der Istanbul Biennale vertreten sein. Seit mehr als zehn Jahren stellt sie international aus, 2019 widmet ihr Kunst Meran eine Einzelausstellung, 2015 zeigte u. a. das Witte de With in Rotterdam eine monografische Ausstellung, 2010 die Fondazione Morra Greco in Neapel. Özlem Altin war in sehr vielen Gruppenausstellungen vertreten, z. B. 2013 in Das Ende des 20. Jahrhunderts, Hamburger Bahnhof, Berlin und in Salon der Angst, Kunsthalle Wien. In Italien stellte sie u. a. 2010 in der NOMAS Foundation in Rom und 2016 in der Galerie SpazioA in Pistoia aus.

Lydia Hamann (1979) und Kaj Osteroth (1977) leben in Berlin und Brandenburg. Kaj Osteroth studierte bei Stan Douglas an der Universität der Künste, Berlin. 2008 beendete sie ihr Kunstgeschichts- und Ethnologiestudium an der Freien Universität Berlin. Lydia Hamann studierte Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften, bevor sie an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin bei Katharina Grosse, Antje Majewski und Judith Hopf studierte. Seit 2007 arbeiten Hamann & Osteroth als Malerinnen-Duo und befragen stereotypisierende Zuschreibungen, dominante eurozentristische Fiktionen, eigene Erfahrungen und Spielräume kollektiver Praxis. 2019 nehmen die beiden u. a. an der Ausstellung Histórias Feministas / Feminist Histories im MASP, São Paulo, teil. 2018 waren sie auf der Berlin Biennale vertreten, 2017 mit Feministischer Kunstunterricht bei dem Festival The Future is Female in den Sophiensälen Berlin, 2015 waren sie an der Ausstellung Unter Tage sind wir alle queer in der Kokerei Hansa in Dortmund vertreten.

Alice Peragine (1986) lebt in Hamburg, wo sie bis 2016 bei Michaela Melián an der Hochschule für Bildende Künste studierte. 2010 schloss sie mit einem Bachelor of Arts in Kunstgeschichte/Bildende Kunst an der Universität Greifswald ab. In ihren – häufig kollektiven – performativen Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Körper und Gender im öffentlichen Raum, mit Machtpolitiken und Strategien der Steuerung durch strukturelle Gewalt und Teilung. In ihren Performances lotet sie den Grad zwischen Alltag und Katastrophe aus. 2019 beschäftigt sie sich in einer Ausstellung im Kunstverein Dresden mit Mobilitäts- und Sicherheitstechnologien, im vergangenen Jahr war sie an dem Forschungsprojekt Dear Humans (TU Dresden mit Altana Galerie, Dresden) beteiligt wie auch an der Bangkok Biennale. 2016 nahm sie am Hamburger Performance-Festival What Time Is It on the Clock of the World? teil, 2015 an der Ausstellung mit Symposium Don‘t touch, touch screen in den Kunst-Werke Berlin. Seit 2016 arbeitet Alice Peragine in verschiedenen Kontexten mit der Corporation of People‘s Situations (COPS), so 2019 bei der Transmediale, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2018 im Künstlerhaus Dortmund, 2017 im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg.

Amelia Umuhire (1991) wurde in Kigali, Ruanda geboren. Sie lebt heute als Künstlerin und Filmemacherin in Berlin. 2015 schrieb und verfilmte sie ihre erste Webserie Polyglot, bei der sie in Berlin und London entwurzelte junge Künstler aus Ruanda mit der Kamera begleitete. Die Serie wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt, so beim Festival D’Angers, dem Tribeca Film Festival und dem Geneva International Film Festival wo sie als „Best International Web Series“ ausgezeichnet wurde. Ihr Kurzfilm Mugabo, ist ein experimenteller Kurzfilm, der in Kigali der Frage nachgeht, wie man in seine Heimat zurückkehren und wie mit der Vergangenheit umgehen kann. Er wurde u. a. beim Blackstar Film Festival ausgezeichnet als “Best Experimental Film” und wird derzeit in Nordamerika u. a. am MOCA Los Angeles, MCA Chicago, dem Ann-Arber Film Festival und dem Smithsonian African American Film Fest gezeigt. 2018 produzierte Amelia Umuhire das Radio-Feature Vaterland für den Deutschlandfunk, das die Geschichte ihres Vaters Innocent Seminega erzählt, vom jungen Studenten, Lehrer, Ehemann und Vater bis zu seinem Tod in den Händen der Hutu-Extremisten. Im Februar 2019 hatte Amelia Umuhire ihre erste Einzelausstellung bei Decad Berlin.

Villa Romana-Preis

Der Villa Romana-Preis wird jedes Jahr an vier Künstlerinnen und Künstler mit herausragender künstlerischer Qualität verliehen, die in Deutschland leben. Ihnen steht ein Studio-Apartment im Künstlerhaus Villa Romana in Florenz zur Verfügung und sie erhalten ein Barstipendium. Am Ende ihres Aufenthalts konzipieren sie gemeinsam eine Publikation. Der Villa Romana-Preis ist der älteste Kunstpreis in Deutschland und wird seit 1905 verliehen. Seit den 1920er Jahren unterstützen die Deutsche Bank und ihre Stiftungen als Hauptförderer die Villa Romana in Florenz. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Max Beckmann, Käthe Kollwitz oder Georg Baselitz.