“Stimmen einer Stadt” feiert Premiere in Frankfurt

© Felix Grünschloß/Schauspiel Frankfurt

Stimmen einer Stadt

 

Partner:
Schauspiel Frankfurt, Literaturhaus Frankfurt

Nächste Termine:
18. April 2019 Stimmen einer Stadt VI
13. Mai 2019 Stimmen einer Stadt IV+V

© Felix Grünschloß/Schauspiel Frankfurt

Am 6. April 2019 wurde die Premiere des zweiten Teils von Stimmen einer Stadt in Frankfurt gefeiert. Für die monodramatische Serie hatten das Schauspiel und Literaturhaus Frankfurt in der Spielzeit 2018/2019 die Autorinnen und Autoren Angelika Klüssendorf, Thomas Pletzinger und Antje Rávic Strubel eingeladen, ein Monodrama zu verfassen.

In Antje Rávic Strubels Unvollkommene Umarmung blickt ein Anwalt zurück auf sein Leben. Der Strafverteidiger Andreas Sternthal ist erfolgreich, redegewandt und von sich selbst überzeugt. Und er ist ein Grenzgänger zwischen dem öffentlichen Bürgerlichen und dem verborgenen Privaten. Episodenhaft berichtet er von seinem Berufsleben, von seiner Kindheit, der Beziehung zu seinen leiblichen Eltern und zu seinen späteren Adoptiveltern, von seiner Dreiecksbeziehung mit zwei Männern. Sein Monolog handelt von den Verletzungen und Brüchen in seinem Leben und dem Versuch sich mit der eigenen Biografie zu versöhnen.

“Meine Eltern haben sich das Hotel in völliger Unkenntnis der Materie ausgedacht. Meine Mutter ging davon aus, dass ihre Kunden so ähnliche Bedürfnisse hatten wie sie selbst. Ihr ging es darum, dass Leute sich wohlfühlen. Guten Kaffee, und zwar 24 Stunden am Tag, das war damals, 1993, etwas ganz Besonderes.” Die Hotelinhaberin Usch, Protagonistin in Thomas Pletzinger Ich verlasse dieses Haus, begibt sich auf einen letzten Rundgang durch ihr Hotel, und erinnert sich daran, wie alles begann. Wie ihre Eltern das Hotel erwarben und aufbauten, wie sie ihre Kindheit in Ginnheim verbrachte und was das Besondere an dem Hotel im Bahnhofsviertel war. Thomas Pletzinger Monodrama ist auch eine Reise durch die Jahrzehnte Frankfurts. In den Erinnerungen Uschs spiegelt sich wieder, wie sich die Stadt im Lauf der Zeit verändert hat.

Am Ende eines Arbeitstags lässt die Wirtin Branka ihr Leben Revue passieren. Sie berichtet vom Verlassen ihrer Heimat, vom Neubeginn in Frankfurt, von Gewalt und Missbrauch in Beziehungen und ihrem Leben als Wirtin. „Mein Zorn hatte sich ein Ventil geschaffen. Deshalb lache ich. Kann nicht mehr ohne. Bin sparsam, aber nicht beim Lachen.“ Unterbrochen wird Brankas Monolog von einer hartnäckigen nachfragenden Stadtschreiberin, mit der sich Angelika Klüssendorf selbst in ihr Monodrama Branka eingeschrieben hat.

Die Stücke werden am 18. April und am 13. Mai 2019 erneut aufgeführt.

Über die Serie

Drei Jahre, neun Autorinnen und Autoren, neun Stücke – die monodramatische Serie Stimmen einer Stadt bringt verschiedenste Frankfurter Biografien auf die Bühne. Dabei geht es nicht um dokumentarisches Theater, sondern um die poetische Überschreibung des Realen. Bekannte Prosaautorautorinnen und -autoren lassen sich von Menschen der Stadt inspirieren und bringen deren Geschichten in eine dramatische Fassung. Über einen Zeitraum von drei Jahren werden insgesamt neun Stücke geschrieben, so dass ein literarisch-dramatisches Kaleidoskop der Stadt entstehen kann. Den Anfang machten in der Spielzeit 2017/2018 Wilhelm Genazino, Olga Grjasnowa und Teresa Präauer.

Die Deutsche Bank Stiftung ist Hauptförderer des Gemeinschaftsprojekts von Schauspiel Frankfurt und Literaturhaus Frankfurt.