Kristina Hasenpflug im Gespräch mit Julia Hoscislawski

© Deutsche Bank Stiftung/Philipp Ottendörfer

Das Interview erschien in der Ausgabe 1/2019 im Frankfurter Allgemeine Hochschulanzeiger.

Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

© Deutsche Bank Stiftung/Philipp Ottendörfer

„Stiftungsmanager müssen das Ohr am gesellschaftlichen Geschehen haben“

Viele künstlerische Projekte wären ohne das Engagement von Stiftungen nicht möglich. Im Interview gibt Dr. Kristina Hasenpflug, Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung, Einblick in die Arbeit bei Kulturstiftungen.

Frau Hasenpflug, was zeichnet die Deutsche Bank Stiftung als Stiftung aus?

Wir haben ein breites Spektrum an Kulturprojekten, die wir fördern oder, in geringerem Umfang, selbst durchführen. Darüber hinaus unterstützen wir relativ viele Projekte in den Bereichen Integration und Chancengerechtigkeit, insbesondere für junge Menschen – und neuerdings auch im Bereich der Ka­tastrophenprävention.

Die Deutsche Bank Stiftung fördert zwar nicht nur kulturelle Projekte. Viele der kulturellen Projekte sind allerdings besonders „exzellent“. Können Sie zwei Beispiele nennen?

Wir sind in erster Linie als Förderstiftung tätig. Das heißt, wir fördern Projekte, die wir nicht selbst durchführen. Zum Beispiel ist das im Kulturbereich der Deutsche Buchpreis, der jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Hier sind wir Hauptförderer. Auch wenn das Projekt vordergründig eine Exzellenzförderung darstellt, weil der beste Roman des Jahres ausgezeichnet wird, geht es bei der Förderung vor allem darum, das Kulturgut Literatur und Buch im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu halten. Ein weiteres Kulturprojekt ist das Stipendienprogramm „Akademie Musik­theater heute“. Die Besonderheit ist hier, dass wir es allein umsetzen. In diesem Projekt geht es darum, den Musiktheaternachwuchs zu fördern. Und zwar gerade nicht Sänger und Musiker, sondern explizit diejenigen, die das Musiktheater hinter der Bühne verantworten, also Komponisten, Dirigenten, Regisseure, Dramaturgen, Bühnen- und Kostümbildner, Librettisten und Kulturmanager. Das ist vom Arbeitsaufwand ein intensives Projekt, weil wir jedes Jahr 15 Stipendiaten aufnehmen, die über den Verlauf von zwei Jahren ein umfangreiches Workshopprogramm von uns bekommen.

Wie muss man sich die Arbeit an Förderprojekten vorstellen?

Wir sind als Stiftung dafür verantwortlich, dass die Gelder, die wir in Förderungen geben, vernünftig eingesetzt werden. Allein die Prüfung von Anträgen, die ganz am Anfang steht, braucht Zeit. Da geht es darum, sich intensiv mit dem jeweiligen Thema auseinanderzusetzen. Nach einer Vorprüfung wird in unseren Gremien entschieden, ob das Projekt für uns förderungswürdig ist. Ist eine Zusage erfolgt, sind die Fördernehmer auch berichtspflichtig. Das heißt, sie müssen Verwendungsnachweise über das erhaltene Geld einreichen, die wiederum von uns geprüft werden. Und wir versuchen natürlich, die Projekte während ihrer Laufzeit zu begleiten, indem wir uns regelmäßig über den Stand der Dinge informieren. Das ist schon ein ziemlicher Controllingaufwand.

Wie viele Förderanträge gehen bei Ihnen jedes Jahr ein?

Das schwankt natürlich, aber 2018 hatten wir 475 Anträge.

Das ist eine ganze Menge …

Seit dem vergangenen Jahr haben wir die Bewerbungswege umgestellt. Wir akzeptieren nur noch Anträge, die über unser Online-Portal eingereicht werden. Ein Drittel der eingehenden Anträge ist förderungswürdig. Im vergangenen Jahr wurden 33 Projekte bewilligt. Sie sehen, da ist schon noch eine ziemliche Diskrepanz. Zu entscheiden, welche Projekte dann tatsächlich gefördert werden, fällt nicht immer leicht.

Sie sind mit insgesamt sechs Mitarbeitern als Stiftung sehr schlank aufgestellt. Wie läuft die Arbeit in Ihrem Team ab?

Es stimmt, wir sind recht schlank aufgestellt. Das ist wichtig, denn wir müssen uns beweglich halten. Mit den Kollegen decken wir möglichst viele Bereiche und Expertisen ab. Es mag andere Stiftungen geben, die andere Strategien verfolgen. Wir versuchen, auch die Verwaltung schlank zu halten. Themen wie zum Beispiel die Vermögensverwaltung oder die IT geben wir nach außen. Über die Schreibtische der Projektmanager laufen die Projektförderanfragen zur Begutachtung. In erster Linie geht es bei ihrer Arbeit aber um die kontinuierliche Kommunikation mit den Fördernehmern. Das fängt an mit Abstimmungen dar­über, wie die Stiftung als Förderer genannt werden kann oder soll, und geht bis dahin, dass Veranstaltungen besucht werden und am Ende die Rechnungslegung geprüft werden muss. Das Spektrum an Aufgaben ist wirklich sehr breit und bedeutet, ein Projekt von Anfang bis Ende zu begleiten.

Welche Kompetenzen muss man für diese Aufgaben mitbringen?

Es gibt mittlerweile viele Studiengänge, die den Fokus allein auf die Managementaufgaben der Stiftungstätigkeit legen. Ich finde es aber immer wichtig, dass die Mitarbeiter eine inhaltliche Expertise mitbringen und beurteilen können: Was bedeutet es, eine Aufführung zu stemmen? Was bedeutet es, Lehrmaterial zu entwickeln und es Lehrern zur Verfügung zu stellen? Aber auch sich täglich zu informieren, Zeitung zu lesen, privat kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, sich permanent fortzubilden und das Ohr am aktuellen gesellschaftlichen Geschehen zu haben – das ist für Stiftungsmanager ganz wichtig.

Neben Projektmanagern gibt es sicher noch andere Berufsbilder in einer Stiftung. Welche sind das?

Zwei der Projektmanager sind gleichzeitig Assistenten der Geschäftsführung. Sie stellen auch die Schnittstelle zu den externen Dienstleistern dar, wie etwa zu den Vermögensverwaltern oder zu unserem Steuerberatungsbüro. Anders ist das in einer personalintensiv aufgestellten Stiftung. Dort gibt es Mitarbeiter, die das Personalwesen oder die Vermögens- und Hausverwaltung übernehmen oder sich um die IT kümmern.

Inwiefern verändert sich die Arbeit bei Stiftungen in der Zukunft?

Die fortschreitende Digitalisierung wird sicher eine Rolle spielen. Die Umstellung des Antragswesens auf ein Online-Formular ist schon jetzt eine große Erleichterung. Ich weiß, dass auch andere Stiftungen diesen Umstellungsprozess beschreiten oder beschritten haben. Was sich auch ändern wird, ist die Art der Förderprojekte insbesondere im Bereich der Zukunftsfähigkeit junger Menschen. Gerade im Hinblick auf künftige Berufsbilder ist ja noch vieles unklar. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Thema in Bezug auf Förderungen eine größere Rolle spielen wird. Klar ist: Die Zukunft bleibt für Stiftungen spannend.

Das Interview führte Julia Hoscislawski.

Erschienen in der Ausgabe 1/2019 im Frankfurter Allgemeine Hochschulanzeiger.
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.