Kristina Hasenpflug im Gespräch mit dem Rat für Kulturelle Bildung

© Deutsche Bank Stiftung/Philipp Ottendörfer

Rat für Kulturelle Bildung

 

Partner:
Bertelsmann Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator, Stiftung Nantesbuch

© Deutsche Bank Stiftung/Philipp Ottendörfer

Im Juni 2019 veröffentlichte der Rat für Kulturelle Bildung e. V. seine neueste Studie Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019 zu kulturellen Bildungsangeboten auf YouTube. In einer Interviewserie vertieft der Rat nun die Ergebnisse der Studie und die daraus folgenden Empfehlungen des Expertengremiums. Das dritte Interview in der Reihe führte er mit der Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung, Dr. Kristina Hasenpflug.

Frau Hasenpflug, welche Erkenntnisse der Studie sind aus Stiftungsperspektive besonders interessant?

Es ist die Diskrepanz zwischen der gelebten Realität der Jugendlichen, was das Nutzen digitaler Lernorte betrifft, und der aktuellen Berücksichtigung dieser Lernplattformen durch die Schulen. Zudem ist es zwar nicht überraschend, aber dennoch relevant, dass die Empfehlung von Videos vor allem in den Peer-Groups bzw. Freundes- und Bekanntenkreisen stattfindet. Das ist wichtig, wenn wir in Zukunft bei der Konzeption von Förderprojekten entscheiden, welche Vermittlungswege berücksichtigt werden.
Zudem ist für uns interessant, dass sich Jugendliche eine stärkere Reflexion in der Schule über digitale Inhalte und eine Einbindung von Webvideos wünschen. Ihr Lern- und Nutzungsverhalten als Zielgruppe spielt auch für die Konzeption von Lehrmaterialien und die Weiterbildung von Lehrenden bei der Nutzung digitaler Medien im Unterricht eine Rolle.

Warum ist das Thema der Studie aus Ihrer Sicht derzeit besonders gesellschaftsrelevant?

Die Bildungslandschaft steht seit langem vor der finanziellen und strukturellen Herausforderung, die Auswirkungen der Digitalisierung zeitnah in ihren Bildungskonzepten zu berücksichtigen. Mit dem Digitalpakt Schule ist zwar ein erster wichtiger Schritt getan, vor allem was die technische Infrastruktur betrifft. Allerdings gibt es immer noch eine enorme Diskrepanz zwischen der gelebten Anwendung durch die Schülerinnen und Schüler sowie der Ausbildung einer Digitalkompetenz durch die Bildungsinstitutionen. Die Studie hat diesen Bedarf der Synchronisierung der Abläufe noch einmal deutlich gemacht. Jugendliche nutzen Online-Plattformen längst selbstverständlich und selbstständig als Lernmedium. Allerdings findet kaum Steuerung von Lerninhalten an diesen digitalen Lernorten durch die Bildungsinstitutionen statt. In einem ersten Schritt sollten die Schulen viel stärker dabei unterstützt werden, Schülerinnen und Schüler zu vermitteln, Inhalte kritisch einordnen und reflektieren zu können. Und in einem zweiten Schritt könnten digitale Lernplattformen in Zukunft noch intensiver bei der Unterrichtsvermittlung genutzt und bespielt werden, um eigene Lerninhalte zu erstellen und so zur Entwicklung von Qualitätsstandards beizutragen.

Kulturelle Bildung ist ein wesentlicher Förderschwerpunkt in der Deutsche Bank Stiftung. Warum engagiert sich die Stiftung stark in diesem Themenfeld?

Zugang zu Kultur bedeutet letztlich auch gesellschaftliche Teilhabe. Zudem nimmt die Förderung junger Menschen einen großen Stellenwert in der Deutsche Bank Stiftung ein. Es ist uns ein Anliegen, Kinder und Jugendlichen sowie gesellschaftlichen Gruppen, die einen erschwerten oder keinen Zugang zu Kulturangebote haben, dabei zu unterstützen, am kulturellen Leben teilzunehmen und sich mit Kunst und Kultur inhaltlich auseinanderzusetzen.  

Alle Interviews der Reihe finden Sie auf der Webseite des Rats für Kulturelle Bildung.
Zu den Interviews

Über die Studie

Die Studie Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019 wurde vom unabhängigen Expertengremium Rat für Kulturelle Bildung konzipiert und begleitet. Die Durchführung lag beim IFAK Institut GmbH & Co. KG, Taunusstein. Ermöglicht wurde die Studie durch Mittel des Stiftungsverbundes Rat für Kulturelle Bildung e. V. sowie durch eine zusätzliche Förderung der Deutsche Bank Stiftung, der PwC-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung GmbH und der Stiftung Mercator.

Über den Rat für Kulturelle Bildung

Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das sich umfassend mit der Lage und der Qualität Kultureller Bildung in Deutschland befasst. Ihm gehören elf Mitglieder an, die verschiedene Bereiche der Kulturellen Bildung repräsentieren: Tanz- und Theaterpädagogik, Musik- und Literaturvermittlung, Erziehungswissenschaften, Medienpädagogik, Pädagogik, Politische Bildung, Soziologie, Kulturelle Bildung und die Künste.

Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator und der Stiftung Nantesbuch.