Kompetenzzentrum zur beruflichen Integration wird ein Jahr alt

Fadi Einuz und Marco Nickel (v. l. n. r.) © Rainer Rüffer

Am 1. Juli 2017 eröffnete die Walter-Kolb-Stiftung e.V. das Kompetenzzentrum zur beruflichen Integration und Nachqualifizierung als Beratungsangebot für Geflüchtete. Seither haben knapp 220 Personen mit Fluchterfahrung das Kompetenzzentrum aufgesucht, um sich Rat und Hilfestellung rund um den Start in Ausbildung, Studium oder Beruf zu holen.

„Die Walter-Kolb-Stiftung gibt seit ihrer Gründung vor fast 60 Jahren jungen Berufstätigen mit Motivation und Potential Rat und Hilfe zur beruflichen Weiterentwicklung. In diesem Geist ist auch das Kompetenzzentrum gegründet worden, um Geflüchteten die Bildungs- und Berufschancen zu ermöglichen, die ihrer Qualifikation und ihren Interessen entsprechen.“, so erläutert Jochen Suchan, Vorsitzender des Vereins, die Motivation für das Beratungsangebot.

Die Anliegen der Ratsuchenden im Kompetenzzentrum sind vielfältig: Hilfestellung bei der Anerkennung von Zeugnissen, Beratung bei Bewerbungsschreiben, Erläuterung des deutschen Bildungs- und Ausbildungssystems, das Absolvieren von Vorstellungsgesprächen bis hin zur Vermittlung von Orientierungspraktika und Ausbildungsstellen. Das Kompetenzzentrum kann bei seiner Arbeit auf ein Netzwerk an Firmen zugreifen, das die Walter-Kolb-Stiftung e.V. in ihrer langjährigen Beratungspraxis aufgebaut hat.

Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber sieht die Ausgangssituation für die berufliche Integration als gut an: „Der überwiegende Teil der Ratsuchenden im Kompetenzzentrum kommt aus Syrien und Afghanistan. Über ein Drittel von ihnen hat ein abgeschlossenes Studium, meist im technischen, pädagogischen oder medizinischen Bereich. Über 40 Prozent bringen eine abgeschlossene Berufsausbildung mit und ebenso viele haben langjährige handwerkliche Berufserfahrung. Meist sind die Deutschkenntnisse so gut, dass die Beratung auf Deutsch stattfindet.“

„In der Beratung sind viele ausgebildete Fachkräfte, die der deutsche Arbeitsmarkt gut gebrauchen kann. Darunter sind Bauingenieure, Maschinen- und Karosseriebauer oder Bankkaufleute mit langjähriger Führungserfahrung im arabischen Finanzwesen.“, so gibt Sylvia Weber Beispiele für die Profile der Geflüchteten im Kompetenzzentrum. „Von den Akademikern in der Beratung hat das Kompetenzzentrum fast 90 % in Arbeit oder weiterführende Maßnahmen vermitteln können, bei den Personen mit beruflichen Abschlüssen gelang dies sogar bei 100%. Sogar bei den Personen ohne formellen Abschluss konnten 100% in Arbeit, Ausbildung, Schule, Studium oder Weiterbildungen vermittelt werden.“

Finanziert wird das Kompetenzzentrum aus Mitteln der Walter-Kolb-Stiftung e.V. mit Unterstützung der Deutsche Bank Stiftung, der randstad stiftung sowie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. „Erst die Kooperation hat das Kompetenzzentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen möglich gemacht. Ich danke ausdrücklich den beteiligten Stiftungen für ihr Engagement.“, so betont die Integrations- und Bildungsdezernentin die Zusammenarbeit der verschiedenen Partner.

Für Sylvia Weber ist aber auch klar, dass trotz der geringeren Zahl an Asylsuchenden die berufliche Integration eine zentrale Aufgabe bleibt: „Viele Geflüchtete erreichen erst nach und nach ein Sprachniveau in Deutsch, das für die Aufnahme einer Beschäftigung ausreichend ist. Wir brauchen das Kompetenzzentrum noch über viele Jahre hin, um Geflüchtete in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln.“