Selam Opera!

Die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland besteht heute in einigen Städten fast zur Hälfte aus Bewohnern mit Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Auch Kulturinstitutionen müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen und ihre Vorstellung vom „Publikum“ erweitern.



Hier setzt die Komische Oper Berlin in ihrem traditionellen Selbstverständnis als „Opernhaus für alle“ an. Als Vorreiterin im deutschsprachigen Raum wendet sie sich unter dem Motto „Selam Opera!“ seit 2011 gezielt an ein türkischstämmiges Publikum und lädt es ein, das Musiktheater unabhängig von sprachlichen und kulturellen Barrieren zu entdecken.

Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper, beschreibt das Projekt: „Ein Opernhaus im 21. Jahrhundert muss ein besonderer, offener Ort sein, vor allem in einer vielfältigen Stadt wie Berlin. Daher ist es mir wichtig, dass das Publikum der Komischen Oper Berlin genauso bunt wie die Stadt ist, in der wir leben. Wir möchten alle Menschen für Musiktheater begeistern, unabhängig von Alter, sozialer oder kultureller Herkunft. Mit unserem interkulturellen Projekt ‚Selam Opera‘ laden wir insbesondere auch Menschen mit türkischen Wurzeln ein, die fantastische Welt der Oper zu erkunden!“ 
 
Podiumsdiskussion „Endlich sprechen wir auch Türkisch – Oper im Diyalog“. © Aurelio Schrey
Podiumsdiskussion „Endlich sprechen wir auch Türkisch – Oper im Diyalog“.
© Aurelio Schrey

Als bundesweit erstes Opernhaus installierte deshalb die Komische Oper eine Übersetzungsanlage, auf der sich die Operntexte neben Deutsch, Französisch und Englisch auch auf Türkisch verfolgen lassen. Mit zielgruppenspezifischen Vermittlungsangeboten werden darüber hinaus insbesondere Kinder und Jugendliche an die Kunstform Oper herangeführt. Außerdem wendet sich das Berliner Haus an türkischstämmige Familien, Senioren und Unternehmer, die es mit entsprechenden Formaten anspricht. Abgerundet wird das innovative Projekt durch intensive Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit, um die Bekanntheit der Inhalte von „Selam Opera!“ zu steigern. So erreicht die Komische Oper mehr und mehr Mitglieder der türkischen Community der Stadt und sendet ein wichtiges integratives Signal. Tamer Ergün, Geschäftsführer des deutsch-türkischen Radiosenders Metropol FM bewertet die Initiative des Opernhauses positiv: „Mit dem Projekt ‚Selam Opera‘ hat die Komische Oper Berlin einen richtigen Weg eingeschlagen. Die Übersetzungen aller Opernvorstellungen ins Türkische und die Einstellung eines türkischstämmigen Projektleiters schlagen eine wichtige Brücke in die türkische Gemeinde, die einen Dialog auf Augenhöhe ermöglichen.“


Im April 2013 erfuhr „Selam Opera!“ mit dem „Operndolmuş“ eine weitere erfolgreiche Erweiterung. „Dolmuş“ (übersetzt: „voll“) nennt man einen Kleinbus in der Türkei. Der mit zwei Sängern, drei Musikern und einem Dramaturgen der Komischen Oper Berlin besetzte Bus fährt Begegnungsstätten, Seniorenheime, Migrantenorganisationen oder auch Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit einem besonders hohen Anteil an Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen an.

Im Rahmen der Berliner Stiftungswoche verwandelte der Operndolmuş einen Konferenzraum der Filiale der Deutschen Bank am Hermannplatz in Neukölln in eine Opernbühne. Besucher der Stiftungswoche, Kunden und Mitarbeiter der Bank sowie alle Interessierten waren eingeladen, ein kleines musikalisches Programm mitzuerleben. Simone Reckermann, Mitglied der Geschäftsleitung der Region Berlin der Deutschen Bank, freute sich über den Besuch des Opernbusses: „Es war ein wirklich gelungener Auftritt der Komischen Oper. Anfangs waren wir noch skeptisch, ob so ein Format bei uns funktionieren kann, aber alle Zuschauer waren begeistert. Es ist unglaublich, wie nah man den Sängern ist und wie unmittelbar man die Musik erleben kann.“

Vom 29. bis 30. März stellte die Komische Oper mit dem Symposium „Selam Opera! – Interkultur im Kulturbetrieb“ ihre bisher mit dem Projekt gesammelten Erfahrungen zur Diskussion. Im Zentrum der Veranstaltung standen theoretische und praktische Impulse, die der interkulturellen Öffnung von Kulturbetrieben dienen. Musikwissenschaftler, Künstler, Soziologen, Unternehmer und Experten im interkulturellen Dialog waren zum Austausch geladen. Den Abschluss des Symposiums bildete die öffentliche Podiumsdiskussion „Endlich sprechen wir auch Türkisch – Oper im Diyalog“.
Die Deutsche Bank Stiftung engagiert sich für „Selam Opera!“, um kulturelle Bildung und Teilhabe zu fördern sowie das Musiktheater als Ort des lebendigen Austauschs sichtbar zu machen.


Der Operndolmuş ergänzt seit April 2013 das Projekt „Selam Opera!“
© Komische Oper Berlin / Maren Kraume



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Letzte Änderung: 11. April 2014
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